Jesus hat zu seinen Freunden gesagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (vgl. Mt 18,20). Das gilt auch für uns heute.
Gemäß der Zusage Jesu ist Kirche dort, wo Menschen sich in seinem Namen versammeln, an ihn denken, in der Bibel lesen, beten, Gottesdienst feiern: in der Familie, im Kindergarten, in der Schule, mit der Ministranten oder Jugengruppe, in der Kirche,... Seit der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wünscht die Kirche ausdrücklich dass alle zum Gottesdienst-Feiern Versammelten „voll, bewusst, gemeinschaftlich, tätig und mit geistlichem Gewinn“ mitfeiern. „Alle Gläubigen“ schließt alle ein: Kinder und Erwachsene, Junge und Alte, Familien und Singles. Es ist wichtig, Kinder und Familien auf ihrem Glaubensweg zu begleiten und mit ihnen gut vorbereitete Gottesdienste zu feiern. Kinder haben ein Recht auf eigene Gottesdienst- und Gebetsformen, die zu ihrer Lebenssituation passen.Damit das gut gelingen kann, können forlgende Leitsätze, wie sie Iris Maria Blecker-Guczki vom Deutschen Liturgischen Institut formuliert, eine gute Orientierung bieten für ale, die Kinder- und Familiengottesdienste Vorbereiten und leiten:
Gottesdienst ist Begegnung mit Gott
Kinder- und Familiengottesdienst ist kein Unterricht und keine Spiel- oder Bastelstunde. Vielmehr ist er Begegnung mit Gott. Es ist alles zu tun, was diese Begegnung fördert. Gottesdienst ist Dialog Nicht wir „machen“ einen Gottesdienst, sondern Gott kommt uns entgegen: im Wort der Heiligen Schrift, in den Sakramenten, mit seinem Segen. Darauf antworten wir mit Gebet und Gesang. Dabei hat Gott das erste Wort. Die Bibel-Lesung (sei sie noch so kurz) ist Höhepunkt der Verkündigung. Darum geht jede Vorbereitung vom Wort der Heiligen Schrift aus. Andere Geschichten, Bilder, Spiele und Symbole dienen der Erschließung und Deutung des Wortes Gottes.
Gottesdienst ist Feier
Feiern kann man nicht ein „Thema“, aber einen Anlass, z. B. ein Ereignis wie die Geburt Jesu oder seine Auferstehung oder die Aufnahme eines Kindes in die Kirche durch die Taufe oder Erntedank oder die Gedenktag der Heiligen Bischöfe Martin und Nikolaus … Der Anlass führt zu einem Leitgedanken, an dem sich die Gottesdienstgestaltung orientieren kann.
Gottesdienst ist ein Fest für die Sinne
Wasser, Weihrauch, Brot, Wein, duftendes Öl, Dunkel und Licht, Gewänder in bedeutungsvollen Farben sind liturgische Zeichen, die die Schönheit und Menschlichkeit der Nähe Gottes ausdrücken. Der zeichenhafte Umgang mit ihnen sowie mit Gegenständen wie Bibel, Kerzen, Kreuz, Blumen etc. sind wichtige „Werkzeuge“ im Spiel der Liturgie. Dazu gehören auch gemeinsame Gesten wie Hände falten oder ausbreiten, Haltungen wie Stehen oder Knien, Bewegungen wie Verneigungen und Prozessionen. Dies alles macht einen Gottesdienst zum Fest für die Sinne. In den Kindergottesdiensten arbeiten wir nach Methoden der Sinnorientierten Pädagogik nach Franz Kett. Um den Leitgedanken der Bibel-Lesung zu ver-anschau-lichen und be-greifbar zu machen entwickeln wir mit den versammelten Familien Bodenbilder. Diesen Bildern wollen wir nicht nur die fünf Körpersinne, sondern auch den Eigen-Sinn, Herz-Sinn und Gemeinsinn ansprechen und über das eigene Tun die Begegnung mit Gott zu einer ganz persönlichen Erfahrung werden lassen. Kinder freuen sich am Wechsel von Vertrautem und Neuem Eine wiedererkennbare klare Gottesdienststruktur und Elemente, die sich wiederholen (z. B. Lieder, Rufe, Gesten an bestimmten Stellen im Gottesdienst oder zu bestimmten Zeiten im Kirchenjahr) wecken Gefühle des Vertraut-Seins und schaffen den Rahmen, der Wechselndes oder Neues spannend macht. So beginnen wir in St. Vinzenz die Kindergottesdienste immer mit dem Lied nach dem eingangs zitierten Bibelspruch „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind...“ und einem stets wiederkehrenden Gebet, das Gottes spürbare Begleitung ausdrücken soll. Gottesdienst macht Freude, wenn alle angesprochen und einbezogen sind. In einem Kindergottesdienst sind alle Anwesenden aktiv Mitfeiernde. Auch die Eltern und Großeltern, die jüngeren und älteren Geschwister sind nicht nur „Zuschauer“, sondern Glieder der feiernden Gemeinde. Als solche werden sie angesprochen und mit einbezogen.
Text: Iris Maria Blecker-Guczki, Deutsches Liturgisches Institut mit Ergänzungen von Eva-Maria Walzer